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Hamburg: Atomwaffen weltweit ächten! – Kundgebung zum Nagasakitag
9 August 2024 @ 16:00 - 18:00

Hiroshima und Nagasaki mahnen:
Atomwaffen abschaffen!
Der 6. August 1945, an dem die erste Atombombe über Hiroshima gezündet wurde, markiert die eigentliche Zeitenwende. Der Philosoph Günther Anders bezeichnet den 6. August als „Tag Null“, der ein neues Zeitalter der Weltgeschichte eingeleitet habe: Durch die Entwicklung der Atombombe und die Bereitschaft, sie einzusetzen, habe der Mensch erstmals gezeigt, daß er alles Leben auf diesem Planeten auslöschen kann.
An diesem Tag vernichtete der Abwurf der ersten Atombombe die Stadt Hiroshima. Die Explosion verursachte einen riesigen Feuerball mit Temperaturen bis zu 4000° Celsius, gefolgt von einer ungeheuren Druckwelle. In der Nähe des Epizentrums verdampfte praktisch alles. Gewaltige Feuerstürme wurden entfacht. Große Mengen Radioaktivität wurden freigesetzt, zunächst als Gammastrahlung (Röntgenstrahlung), später als radioaktiver Niederschlag (Fallout), dem die Menschen schutzlos ausgeliefert waren.
Die Stadt hatte sich in eine Hölle verwandelt: Überall Tote und Schwerverletzte. 45 000 Menschen waren am ersten Tag sofort tot. Hinzu kamen ca. 75 000 Verletzte, die ohne jede medizinische Hilfe durch die Stadt irrten. Auch 90% des ärztlichen und des Pflegepersonals waren getötet oder verletzt worden. Von den ursprünglich 45 Krankenhäusern waren nur noch 3
funktionsfähig. Die komplette Infrastruktur der Stadt war zusammengebrochen, fast alle Gebäude waren zerstört.
Am 9. August wurde eine weitere Atombombe über Nagasaki abgeworfen. Insgesamt wurden durch die Bomben 100 000 Menschen sofort getötet, vor allem Zivilisten, darunter viele Zwangsarbeiter. Bis Ende 1945 starben weitere 130 000 Menschen an ihren Verletzungen; in den Jahrzehnten danach gab es unzählige Opfer aufgrund der langfristigen Strahlenfolgen.
Diese humanitäre Katastrophe hat nicht zu der Einsicht geführt, daß solche Waffen nie wieder eingesetzt werden dürfen. Im Gegenteil, die Amerikaner zündeten zu Testzwecken bereits am 30. Juni 1946 auf dem Bikini-Atoll eine noch viel stärkere Bombe.
Nukleare Aufrüstung und Atomwaffentests
Im Anschluss wurden weitere Staaten zu Atommächten, die Sowjetunion, England, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel. Auch sie testeten ihre Bomben. Mehr als 2000 Atomwaffen wurden seither gezündet, zumeist in Regionen, in denen indigene Völker lebten oder in ehemaligen Kolonialgebieten. Die Folge war ein weltweiter Anstieg der Krebsraten, nicht nur in den Testgebieten. Radioaktive Isotope, insbesondere Plutonium, werden seitdem weltweit nachgewiesen. Atomwaffen töten schon bei ihrer Entwicklung und Testung, nicht erst, wenn sie eingesetzt werden!
Die Zerstörungskraft heutiger Bomben
Verglichen mit den Bomben von Hiroshima und Nagasaki verfügen die heutigen thermonuklearen Bomben (Wasserstoffbomben) über ein viel größeres Zerstörungspotential. Die neue deutsche „Nationale Sicherheitsstrategie“ und das geplante „Gesundheitssicherstellungsgesetz“ sollen die fatale Illusion erzeugen, ein Atomwaffeneinsatz sei in irgendeiner Weise „handhabbar“. Doch auch wenn nur eine einzige Nuklearwaffe eingesetzt würde – es gäbe keinen wirksamen Katastrophenschutz und keine ausreichende medizinische Hilfe! Kein Gesundheitssystem könnte ein solches Szenario bewältigen. Alle Intensivstationen für Brandverletzte der Welt würden nicht ausreichen, um die Überlebenden einer einzigen über einer Großstadt abgeworfenen Atombombe aufzunehmen.
Atomwaffen sind Massenvernichtungswaffen, die geächtet und verbotenwerden müssen! Bereits die Drohung mit Atomwaffen verstößt gegen das humanitäre Völkerrecht. Eine Drohung besteht schon dann, wenn der Einsatz, insbesondere der Ersteinsatz dieser Waffen in der herrschenden Nukleardoktrin nicht ausgeschlossen wird. Die chinesische Nukleardoktrin ist
derzeit die einzige, die einen Ersteinsatz ausschließt!
Jede einzelne Atomwaffe hat das Potenzial, Hunderttausende Menschen unterschiedslos zu töten und zu verstrahlen. Die Planung eines Atomkriegs bedeutet die Bereitschaft zum Massenmord und zu einer katastrophalen Umweltzerstörung. Indem sie Zivilbevölkerung und Städte als militärische Ziele betrachtet, unterwandert die „nukleare Abschreckung“ das Völkerrecht. Die Abschreckung mit Massenvernichtungswaffen verrät die vielzitierten „Werte“, die sie zu schützen vorgibt!
Sicherheit durch „nukleare Teilhabe“?
Durch Stationierung US-amerikanischer Atomwaffen im eigenen Land ist Deutschland (wie auch Belgien, Italien, die Niederlande und die Türkei) „Teilhaber“ an diesen Waffen. Diese nukleare Teilhabe wird derzeit durch Modernisierung der atomaren Sprengköpfe (B61-12) und durch neue Trägerflugzeuge (F-35) ausgebaut. Russland hat seit 2023 Atomwaffen in Belarus stationiert. Doch die nukleare Teilhabe macht die Stationierungsorte zu potenziellen Zielen! Sie bietet keinen Schutz, sondern bedeutet für die Länder, in denen solche Atomwaffen stationiert sind, eine immense Gefahr!
Wir fordern den Abzug der US-Atomwaffen (nicht nur) aus Deutschland!
Steigendes Atomkriegsrisiko
Im Jahr 2024 ist das Atomkriegsrisiko höher als zu Zeiten des Kalten Krieges! Der weltweite Rüstungswettlauf steigert die Bedrohung. Fast alle Abrüstungs- und Kontrollverträge wurden gekündigt, nur der bilaterale New START-Vertrag bleibt bis Anfang 2026 noch gültig, aber ein Nachfolgevertrag ist nicht in Sicht. Die zunehmenden weltweiten Spannungen, die eskalierenden Kriege in der Ukraine und in Israel/Palästina, die Klimakrise, die Gefahren durch Cyberkriegstechnologien und Künstliche Intelligenz verschärfen die Risiken. Die immer kürzer werdenden Vorwarnzeiten steigern auch die Gefahr eines unbeabsichtigten atomaren Schlagabtausches!
Unfassbar ist, daß „nukleare Abschreckung“ für viele wieder als „friedenssichernd“ gilt. Im Europawahlkampf forderten PolitikerInnen, Europa müsse atomar aufrüsten und könne so seine Sicherheit erhöhen. Dabei ist in Europa bereits jetzt das Risiko eines Atomkrieges besonders hoch. Sogar die Forderung nach einer deutschen Atombombe ist nicht mehr tabu. Daß dies nicht möglich wäre, ohne aus dem Nuklearen Nichtverbreitungsvertrags (NVV) auszutreten, wird verschwiegen: Dem NVV von 1970, auch „Atomwaffensperrvertrag“ genannt, sind bis auf fünf Staaten (Indien, Israel, Pakistan, Südsudan und Nordkorea) alle Staaten der Erde beigetreten. Die Staaten, die nicht im Besitz von Kernwaffen sind, verpflichten sich, auf den Erwerb von Atomwaffen zu verzichten. Die fünf offiziellen Atommächte (alle Staaten, die vor dem 1. Januar 1967 eine Kernwaffe gezündet haben) verpflichten sich im Gegenzug, Verhandlungen über einen Vertrag zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle zu führen. Sollte dieser Vertrag beschädigt werden, wäre die Folge ein unkontrolliertes weltweites nukleares Wettrüsten.
Wie der neueste Bericht des schwedischen Friedensforschungsinstituts SIPRI zeigt, wurden im Jahr 2023 weltweit 2,3 Billionen Euro für Waffen ausgegeben, so viel wie nie zuvor! Dabei liegen die USA mit 37 Prozent der Ausgaben ganz weit vorne. Alle neun Atomwaffenstaaten (Russland, USA, China, Frankreich, Großbritannien, Pakistan, Indien, Israel und Nordkorea) rüsten weiter auf, modernisieren ihre Atomwaffen-Arsenale und setzen wieder vermehrt auf nukleare Abschreckung. Die Anzahl der einsatzfähigen Atomwaffen ist allein im Vergleich zum Vorjahr um 13% gestiegen.
Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnen!
In den 1980er Jahren konnte die Friedensbewegung zu einer starken Reduzierung des weltweiten Atomwaffenarsenals beitragen, was 1987 zum Abschluß des INF-Vertrags zwischen den USA und der Sowjetunion führte.
1996 erklärte der Internationale Gerichtshof eine Bedrohung mit oder die Anwendung von Atomwaffen generell für völkerrechtswidrig. Im gleichen Jahr wurde ein umfassender Atomwaffenteststopp-Vertrag abgeschlossen.
72 Jahre nach dem Abwurf der ersten Atombombe verabschiedete die UNO den Atomwaffenverbotsvertrag (AVV). Dazu hatte die Beharrlichkeit von ICAN, der International Campaign to Abolish Nuclear Weapons, entscheidend beigetragen. Inzwischen haben 93 UN-Staaten den Vertrag unterzeichnet und 70 haben ihn ratifiziert. Auch drei EU-Staaten, Irland, Malta und Österreich, sind dem AVV beigetreten. Die Atommächte und die NATO-Staaten (mit Ausnahme der Niederlande) nahmen an den Verhandlungen allerdings nicht teil und unterzeichneten den Vertrag auch später nicht! Entsprechend erkennen sie auch die im Vertrag enthaltene Verpflichtung zur Entschädigung der Opfer von Atomwaffen und Atomtests nicht an! Dieser Weg der nuklearen Abrüstung muß konsequent weitergegangen werden!
Wir fordern von der Bundesregierung, den AVV zu unterzeichnen und die nukleare Teilhabe an US-Atomwaffen schnellstmöglich zu beenden!